Die Suche nach dem Königsweg: Alle wollen eine Halle, aber noch sind viele Fragen offen

Von Bernd Vorländer

Gummersbach - Nach der SPD stimmt auch die CDU dem Projekt grundsätzlich zu, stellt aber Bedingungen - Notwendiges Parkhaus noch nicht in den Gesamtkosten enthalten - Kreis soll sich an Betreiberkosten beteiligen - Stadtrat will im Dezember Grundsatzentscheidung treffen.

Lange Zeit köchelte das Thema auf Sparflamme, war eher ferne Zukunft denn klare Perspektive. Faktisch hat sich gar nicht so viel verändert, doch nunmehr wird in der Stadtpolitik wesentlich intensiver als noch vor Monaten über ein Bauprojekt gesprochen, das sehr viele Bürger im ganzen Kreis bewegt. Es geht um die Frage, ob auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände im Zuge des Neubaus eines Einkaufszentrums auch eine Multifunktionshalle errichtet werden soll. Die städtische SPD hat sich in der vergangenen Woche als erste aus der Deckung begeben und sich deutlich für den Hallenbau ausgesprochen. Am Wochenende hat die CDU im Rahmen einer Klausur nachgezogen, den Bau grundsätzlich befürwortet, jedoch deutlich gemacht, das man nicht um jeden Preis eine Halle akzeptieren werde. „Uns geht Qualität ganz eindeutig vor Schnelligkeit“, sagt CDU-Fraktionschef Uwe Tholl. Verwaltung und Politik hätten eine große Verantwortung, denn man müsse nicht nur die Bau- und Betreiberkosten, sondern auch die Auswirkungen einer Halle auf den übrigen Teil der Stadt im Auge behalten.

Keine Kompromisse will die CDU jedenfalls eingehen, was die Anforderungen bei der Einbindung der Innenstadt an ein EKZ im Bahnbogen angeht. Ein Investor, der nur dann eine Beteiligung an den Hallen-Baukosten zusichere, wenn man gleichzeitig Abstriche bei der Gestaltung der Kampstraße mache, sei für seine Fraktion „nicht akzeptabel“, so Tholl. Auch die Verkaufsfläche beim Einkaufszentrum sei für ihn nicht verhandelbar, um den heimischen Einzelhandel zu schützen. „Das haben wir versprochen, und das bleibt so.“ Insofern gelte es abzuwarten, welche Vorschläge potentielle Investoren machten.

Rund 20 Millionen Euro soll eine Multifunktionsarena in Gummersbach bei einem Angebot von 4.000 bis 5.000 Plätzen kosten. Neben dem Investoren-Zuschuss ist aber auch noch fraglich, ob die heimische Wirtschaft sich in ausreichendem Maße an der Finanzierung beteiligt. Noch nicht eingerechnet in die Kosten ist zudem die Errichtung eines Parkhauses, das bei einem Hallenbau dieser Größe verpflichtend ist, und das wohl mit mindestens vier Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Betreiberkosten. Konsens in der Gummersbacher Politik ist, dass sich die Stadt an einer zu gründenden Betreibergesellschaft nicht beteiligen dürfe. Wer aber übernimmt dieses (unkalkulierbare) Risiko? Vor allem, wenn künftig die von dem Gutachter prognostizierte „schwarze Null“, die beim Betrieb der Halle erzielt werden könne, nicht erreicht wird.

Im Übrigen: Das Gutachten, das ein Experte für Hallenbau den Stadtvätern erstellt hat, ist wohl weit weniger aussagekräftig, als es auf den ersten Blick scheint. Wenn man nämlich weiß, dass der Gutachter auch in der Vermarktung von Hallen-Objekten beruflich engagiert ist, versteht man, dass in seinem Exposé vor allem die Argumente zu finden sind, die für einen Hallenbau sprechen.

Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein und die Spitzen der Verwaltung rotieren jedenfalls derzeit hinsichtlich der Abklärung von offenen Fragen. So hat sich der Rathauschef bei einem Besuch im Düsseldorfer Innen- und Bauministerium bestätigen lassen, dass sich das Land wohl nach OA-Informationen mit einem Förderbetrag von vier Millionen Euro beteiligen würde. Das Innenministerium als oberste Kommunalaufsicht hat zudem grundsätzlich grünes Licht gegeben, obwohl der Gummersbacher Haushalt auch 2009 erneut ins Minus rutschen dürfte. Zudem ist nach Auskunft des Städtebauministeriums sichergestellt, dass es sich nicht negativ auf weitere Zuschüsse für das Steinmüllergelände auswirken würde, sollte die Stadt das Gelände für einen Hallenbau kostenlos für einen Investor zur Verfügung stellen. „Das sind für uns ganz wichtige Informationen, denn wir wollen den Entwicklungsprozess des Gesamtgeländes nicht gefährden“, so Helmenstein.

Bei einem Gespräch mit Landrat Hagen Jobi hat der Bürgermeister vor einigen Tagen versucht, den Kreis als Mit-Betreiber der Halle zu gewinnen. Konkret bedeutet dies, dass sich alle oberbergischen Kommunen in einem niedrigen sechsstelligen Bereich an dem Gummersbacher Projekt beteiligen sollen. Jobi habe sich dafür eingesetzt, bei den oberbergischen Bürgermeistern für den Bau und die Beteiligung zu werben. Dennoch – zum jetzigen Zeitpunkt bleiben noch viele Fragen offen. Wenn der Gummersbacher Stadtrat am 2. Dezember in dieser Frage zusammenkommt, wird jedenfalls mitnichten über den Bau einer neuen Halle entschieden. Dann geht es lediglich darum, entsprechende Angebote europaweit einzuholen. Erst danach dürfte man klarer sehen.

oberberg-aktuell.de vom 10.11.2008



Kommentar zum Hallen-Bau: Die Zahlen müssen auf den Tisch


Von Bernd Vorländer

Gummersbach - In der Diskussion über eine etwaige neue Multifunktionshalle in der Kreisstadt braucht es weniger Mutmaßungen und mehr Fakten.

Die Gummersbacher SPD hat den ersten Pflock eingeschlagen. Gemeinsam mit ihrem Bürgermeisterkandidaten sprach man sich für ein neues Einkaufszentrum wie eine Multifunktionshalle aus. Und vermutlich wird es ihr die CDU nachtun. Schließlich will niemand abseits stehen, wenn es gilt, eine vermeintliche vaterstädtische Pflicht zu erfüllen. Die folgt dem Grundsatz: Eine neue Halle ist gut für den VfL Gummersbach, und ergo auch für die Stadt und ihre Bürger. Eben dies gilt es zu hinterfragen. Da sind zum einen die Erstellungskosten. Möglicherweise mehr als 20 Millionen Euro kostet eine Halle, die rund 4.000 Zuschauern Platz bietet. Die SPD betonte vor einigen Tagen, dass sie ‚ganz selbstverständlich’ damit rechne, dass alle Beteiligten ihren Verpflichtungen nachkämen. Als ob dies angesichts der durch eine Rezession drohenden wirtschaftlichen Zwänge so einfach wäre. Am sichersten sind noch die Anteile von Land und EKZ-Investor. Doch der VfL wird kaum etwas beisteuern können, und ob die heimische Wirtschaft das nötige Kleingeld bereitstellt, gilt als unsicher.

Doch neben den Bau- wie auch den Unterhaltungskosten muss geklärt werden, für welche Veranstaltungen und Events die neue Halle eigentlich konzipiert und sinnvoll ist. Noch in diesem Jahr sollen die Mitglieder des Gummersbacher Stadtrats eine Grundsatzentscheidung über EKZ und Halle treffen. Doch liegen wirklich alle Fakten auf dem Tisch? Derzeit ist nur klar, dass der VfL Gummersbach einen Teil seiner Heimspiele in der Kreisstadt austragen will. Im Klartext: Die Topspiele bleiben der Kölnarena vorbehalten. Und ein Teil des Gummersbacher Schulsports soll in der neuen Halle stattfinden. Diese Informationen reichen nicht. Die Befürworter der Halle müssen Farbe bekennen und belastbare Zahlen auf den Tisch legen, damit die Halle mehr ist als ein Wolkenkuckucksheim.

oberberg-aktuell.de vom 06.11.2008



VfL-Halle soll 19 Millionen kosten


SPD bekennt sich für einen Neubau - CDU berät am Wochenende darüber

ANDREAS ARNOLD

GUMMERSBACH. Die Gummersbacher SPD ist die erste große Partei, die sich klipp und klar für den Bau eines neuen EKZ und einer neuen VfL-Sporthalle auf dem Steinmüller-Gelände ausgesprochen hat. Fraktionschef Hans-Egon Häring nutzte die Vorstellung des SPD-Bürgermeisterkandidaten Thomas Hähner, um die Partei erstmals in dieser Deutlichkeit zu positionieren. Die Haltung pro Halle ist das Ergebnis der jüngsten SPD-Klausurtagung.

Bislang musste man davon ausgehen, dass der Rat erst in seiner Sitzung am 2. Dezember Farbe bekennt, ob er Sporthalle und EKZ in eine Ausschreibung steckt. SPD-Chef Häring betonte gestern allerdings, Voraussetzung für ein EKZ mit Sporthalle sei, dass alle Beteiligten - Land NRW, heimische Wirtschaft, VfL und der EKZ-Investor - ihre Finanzierungsanteile vollständig erbringen.

Dass die SPD jetzt im Zusammenhang mit der Kandidatenpräsentation vorgeprescht sei, überrasche ihn nicht, sagte CDU-Fraktions-Chef Heinz-Uwe Tholl. Es gebe allerdings noch viel zu klären bis Dezember. So müsse entschieden werden, ob man für Halle und EKZ ein oder zwei Parkhäuser wolle. "Außerdem steht noch nicht fest, wo auf dem Gelände gebaut werden und welche Flächen für andere Vorhaben übrig bleiben sollen." So gibt es eine Variante, die eine Verbindung von Halle 32 und neuer Sporthalle vorsieht. Das größte Problem aber scheinen die Baukosten zu werden. Von 19 Millionen Euro ist zurzeit die Rede. "Und das ist noch nicht das Ende", fürchtet der CDU-Sprecher: "Die Halle wollen alle, doch die Frage ist: Wie?" Darüber berät seine Fraktion am Wochenende in einer Klausurtagung.

OVZ vom 05.11.2009



Claus Horstmann findet:
„Die Euro-Liga ist verführerisch“
Von ALEXANDER HAUBRICHS
Köln – Der Zahltag ist vorüber. Beim Hit gegen den THW Kiel kamen immerhin 8362 Zuschauer in die Lanxess-Arena. „Das ist angesichts des Traumwetters respektabel“, sagt Gummersbach-Boss Claus Horstmann.
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Doch nun wartet mit den Partien gegen Melsungen (Samstag, 19 Uhr) und Wetzlar (17. Oktober) wieder der graue Alltag auf den VfL. „Wir müssen realistisch sein. Wenn wir einen Schnitt von 6500 Zuschauern erreichen, sind wir zufrieden“, sagt Horstmann. Denn Gegner wie Balingen oder Stralsund machen keine Arena voll.

Eine mögliche Lösung: die geplante Euro-League, in der die Topklubs des Kontinents bald spielen könnten. Am 3. November sitzt die Group Club Handball, quasi die G14 des Handballs, in Mallorca zusammen und wird über die Gründung einer Liga entscheiden – am Standort Köln mit seiner Lanxess-Arena käme man da kaum vorbei.

„Die Euro-Liga ist, zumindest was die Vermarktung betrifft und die TV-Rechte, sehr verführerisch“, gesteht Horstmann, der sich ständig über die neuesten Entwicklungen bei GCH-Boss Gerd Butzeck informiert. „Allerdings ist die Bundesliga unser täglich Brot. Hier wollen wir Top-Handball zeigen und die Leute begeistern.“ Zentraler Bestandteil dabei: eine neue Halle in Gummersbach, die gemeinsam mit einem Einkaufszentrum gebaut werden soll.

Horstmann: „Dann können wir die Events in der Arena spielen und gegen kleinere Gegner in Gummersbach. Ich bin zuversichtlich, dass die Halle bald ausgeschrieben wird.“

express.de vom 30.09.2008



EKZ mit oder ohne VfL-Halle?

Gipfeltreffen im Gummersbacher Rathaus - Finanzierung einer neuen Sporthalle ist nach wie vor unklar

GUMMERBSBACH. Elefantenrunde zum Thema Sporthallenneubau im Gummersbacher Rathaus: VfL-Boss Claus Horstmann, sein Aufsichtsratskollege Jochen Kienbaum, die Fraktionsvorsitzenden sowie der Verwaltungsvorstand um Bürgermeister Frank Helmenstein haben vom gemeinsam beauftragten Gutachter Dr. Claus Binz erfahren, dass Bau und Betrieb einer neuen Halle grundsätzlich möglich sind. Das bestätigte Baudezernent Ulrich Stücker der OVZ. Allerdings hängt die Realisierung noch immer an einem dünnen Faden. So ist zurzeit noch unklar, ob und mit welcher Summe sich ein EKZ-Investor an dem Hallenprojekt beteiligen muss. Um das zu erfahren, müssen Sporthalle und EKZ in einem Paket ausgeschrieben werden, was in den Augen vieler ohnehin die letzte Chance für eine VfL-Halle in Gummersbach ist.

Ebenfalls noch unbekannt ist, wie hoch die Summe der Sponsorengelder ist, die Jochen Kienbaum als weitere Säule der Finanzierung in der heimischen Wirtschaft akquirieren kann. Schließlich ist die Rolle des Kreises unklar. Landrat Hagen Jobi hatte zwar 2005 die "Multifunktionshalle Oberberg" ausgerufen, sich seitdem zu seiner finanziellen Beteiligung aber nicht mehr geäußert. Als verlässliche Größe gilt nur die Zusage des NRW-Innenministeriums, das Projekt mit fünf Millionen Euro zu bezuschussen. Alle Details wollen Binz und Horstmann in den kommenden Tagen auch den Fraktionen vorstellen, ehe der Rat entscheidet, ob das EKZ und die Sporthalle im Doppelpack ausgeschrieben werden. (ar)

OVZ vom 18.09.2008





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