Halle + EKZ: Für die Handballstadt Hamm kein Problem

Gummersbach – Während in Gummersbach noch über das Mega-Projekt Hallenbau und Einkaufszentrum gerungen und diskutiert wird, hat man in der westfälischen Nachbarschaft diese Kombination längst in trockene Tücher gebracht.

In der oberbergischen Kreisstadt wartet man nach wie vor auf denjenigen, der den Gordischen Knoten durchschlägt. Entschieden ist hinsichtlich des Neubaus von Einkaufszentrum und Multifunktionshalle noch nichts. Verzweifelt wird nach Geldquellen gesucht, nach Finanzierungsmöglichkeiten, nach Investoren. Oder aber man bemüht sich darum, die günstigsten Hallen-Varianten, die es auf dem internationalen Markt gibt, ausfindig zu machen, die allerdings nach Ansicht von Experten stark gewöhnungsbedürftig wären. Jedenfalls wird seit drei Jahren debattiert, entwickelt, verworfen, man bemüht sich nachdrücklich, aber derzeit ist nicht zu erkennen, ob und vor allem wann das Projekt auf dem Steinmüllergelände verwirklicht werden könnte.

Anders sieht es im westfälischen Hamm aus. Dort konnte man vor zwei Jahren Vollzug melden, wobei die Voraussetzungen in der 180.000 Einwohnerstadt mit denen in Gummersbach vergleichbar sind. Der ASV Hamm, der bislang in der 2. Handball-Bundesliga spielt und derzeit an das Tor der 1. Liga klopft, verfügte bis 2006 lediglich über eine 1.000 Zuschauer fassenden Schulsporthalle als Heimstätte. „Damit wäre Bundesliga-Handball auf Dauer nicht mehr zu realisieren gewesen“, meint ASV-Manager Franz Dressel, der sich vor drei Jahren mit Herzblut auf die Suche nach Alternativen gemacht hatte. Ein Grundstück im Wert von zwei Millionen Euro im Stadtteil Werries auf einer früheren Industriebrache, die von der Zeche Maximilian geprägt war, wurde von der Stadt Hamm kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Weitere finanzielle Unterstützung gab es jedoch nicht. Ein Umstand, der Dressel nicht abschreckte. Er hörte sich in der Branche um und fand die Ten Brinke-Gruppe, die im niederländischen Grenzgebiet angesiedelt ist. In zahlreichen Gesprächen erörterte man die Realisierungsfähigkeit des Baus einer Multifunktionsarena mit einem Einkaufszentrum. Schließlich kam man auf die revolutionäre Lösung: Einkaufszentrum und Halle sollten in einem Komplex errichtet, die Sportstätte "huckepack" über dem „Kauftempel“ errichtet werden.

Die Finanzierung des 20 Millionen-Projekts war letztlich nicht das Problem. „Die Investitionen für den Hallenbau wurden über langfristige Mietverträge im Einkaufszentrum abgedeckt", erklärt Ten Brinke-Geschäftsführer Ilja Keller. Dabei habe man darauf geachtet, dass es vor allem starke und bekannte Marken waren, die dort angesiedelt wurden, und mit denen die Verträge schon vor Baubeginn unter Dach und Fach waren. Hinzu kam, dass bei Ten Brinke Projektentwicklung und Baudurchführung quasi in einer Hand lagen. „Dadurch hatten wir Baukostensicherheit, was einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstellt“, so Keller weiter. Gerade die Kombination von Einkaufsmöglichkeiten und sportlichem Event sei äußerst reizvoll gewesen, „und ich bin überzeugt, dass so etwas auch heute, in wirtschaftlich schwierigerer Zeit möglich ist“. Zwei Dinge sind Keller noch wichtig. Zum einen sei man bei der Finanzierung nicht abhängig von den Einnahmen einer Betreibergesellschaft gewesen, zum anderen könne selbst im schlimmsten Fall, sollte sich die Halle einmal nicht mehr rentieren, die vorhandene Fläche in das derzeit rund 6.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum integriert werden.

2.500 Sitzplätze und 500 Stehplätze groß ist die neue Maxipark-Arena, die sich nach Auskunft von Geschäftsführer Christoph Dressel „hervorragend entwickelt hat“. Zu den Heimspielen des ASV Hamm in der 2. Liga kommen im Schnitt 2.000 Zuschauer, und alle weiteren Veranstaltungen mit namhaften Künstlern wie Atze Schröder oder Sarah Connor waren bislang ausverkauft. Wichtigster Mieter ist natürlich der Handball-Bundesligist, der Vorrang genießt. Einnahmen werden über Mieten, Eintrittsgelder, das Catering und die Namensgebung akquiriert. Die Arena wurde TV-tauglich ausgerüstet, Presse- und VIP-Räume sind vorhanden. Ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ägypten fand bereits statt, und schon jetzt denkt man über eine Aufstockung der Zuschauerkapazitäten nach.

ASV-Manager Franz Dressel war von dem gesamten Projekt dermaßen überzeugt, dass er seine gesamte Familie mit einbezog, die Betreibergesellschaft gründete und persönliche Risiken in Kauf nahm. „Ich habe ein Jahr richtig Gas gegeben“, berichtet der umtriebige Handball-Macher, für den der Aufstieg seines ASV, der künftig in einer Spielgemeinschaft mit dem nahen Zweitliga-Konkurrenten SG Ahlen antritt, die Krönung wäre. „EKZ und Halle in einem gemeinsamen Komplex – das funktioniert auch anderswo – wer in Gummersbach Fragen hat, kann sich gerne bei mir melden.

oberberg-aktuell.de vom 02.03.2010


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